
Bei einer Radtour durch den Wald begegnet Christian einer geheimnisvollen jungen Frau: Jahme. Sie lebt mit Hund und Katze in einem Felsengewölbe und hat der Zivilisation den Rücken gekehrt, um im Wald, ihrem kosmischen Platz, innere Ruhe zu finden. Nach anfänglicher Skepsis erliegt auch Christian der Faszination dieses magischen Ortes. Jahme weiht ihn in die Heilkraft der Steine ein, erzählt ihm vom Einfluss der Sterne auf Leben und Wachstum und breitet ihr profundes metaphysisches Wissen aus. Die Gespräche mit der mystischen "Waldfee" lassen Christian das Leben aus einer neuen Perspektive betrachten und schließlich seinen eigenen spirituellen Weg suchen, der Geist und Körper zu vereinigen vermag.
Taschenbuch - 176
Seiten - Verlag Frieling & Partner Berlin
Erscheinungsdatum: 2000
Auflage: 1. Auflage
ISBN: 3828010830 8,90 €
Auszug aus dem Roman:
Es
gibt so viele Logiken in dieser Welt. Aber wie viele von den Menschen
erdachte Logiken widerlegt die Natur immer wieder? Finde deine eigene
Logik! Die Logik, an die du glauben kannst!" Jahme forderte
Christian auf, in die Flammen zu schauen.
Sie legte noch einige Holzstücke nach, während er in die empor
flackernden Flammenzungen sah.
"Ein Physiker kann mir wahrscheinlich auf seine Art Logik erklären,
warum ein Feuer brennt. Ein Mathematiker wird mir die ungefähre Dauer
des Brandes errechnen, und ein Chemiker die Zusammensetzung des
Brennmaterials erläutern können. Ich habe meine eigene Logik. Ich fühle
meine Logik, deshalb verschmelze ich mit ihr!"
Sie legte eine Pause ein, und Christian fragte ungeduldig: "Und?
Wie lautet deine Logik?"
Jahme beugte sich näher an das Feuer heran, "siehst du das astrale
Licht in den Flammen?"
Sie wartete nicht auf Christians Reaktion, senkte ihre Stimme und flüsterte
fast: "Da, Chris, in dem astralen Licht ist alles vereint, was
immer ist. In diesem Licht triffst du ALL - ES, was immer Bestand
hat!"
Er sah ungläubig auf das violett schimmernde Licht, was Botschafter aus
dem All sein sollte.
"Du bist mir zu utopisch, Jahme. Was soll ich denn mit dem Wissen
anfangen, daß in der Mitte eines Feuers astrales Licht ist? Das nützt
mir doch nichts!!!"
"Noch nicht! Aber wenn du dein Selbst wirklich Stück für Stück
transformieren willst, brauchst du mehr, als eine Auskunft von Außerhalb.
Mein Glaube braucht dir nichts zu nützen. Aber warum muß immer alles
direkt einen Nutzen bringen? Hier ist NICHTS umsonst! Jeden Tag erleben
wir kleinere Transformationen, die uns verändern und wachsen lassen.
Wer nur ein bißchen fühlen kann, weiß wieviel Tode man in einem Leben
sterben muß. Wenn du immer nur nach deinem eigenen Nutzen suchst,
werden die himmlischen Wesen einen argen Trotzkopf in dir sehen!"
Ihre großen Augen sahen ihn erwartungsvoll an, und ihre Sterne tanzten
wild durcheinander.
"Ihr habt alle kleine Sterne in den Augen!" sagte Chris leise.
Sie hob ihre Augenbrauen und lächelte.
"Wenn du unsere schon fühlen kannst, werden deine auch bald vom
Himmel fallen. Willst du sie dir holen?"
Er sah sie ungläubig und zweifelnd an.
Jahme stand auf, und verschwand in der Höhle. Mit einem kleinen Spiegel
in der Hand kam sie zurück.
"Setz dich seitlich neben das Feuer!" forderte sie ihn auf.
Er drehte sich in die angeordnete Position.
Jahme hielt ihm den Spiegel hin, "schau dir in die Augen! Ganz tief
in deine Pupillen!"
Er nahm ihr den Spiegel ab, und konzentrierte sich auf die Mitte seiner
Augen.
Das Spiegelbild warf kleine Feuerfunken in seinen Augen wider.
"Konzentriere dich! Schau in die schwarze Tiefe deiner Augen!"
Es dauerte noch einen Augenblick, bis Christian sich in den schwarzen
Punkten im Spiegel wiederfinden konnte, aber dann ging er auf die Reise
zu seinen Sternen.
Die Augen, die mir aus dem Spiegelbild entgegenschauen, erscheinen mir
erst einmal fremd.
Ein wenig reflektieren die Umrisse der Umgebung.
Mein Spiegelbild entfernt sich immer mehr von mir. Meine Sicht verengt
sich, wie fremde Objekte blicken mir meine Augen entgegen.
Ich schaue hinter meinen Augen aus meinem Kopf, als gehöre mir mein Körper
nicht.
Munter springen Flammensterne in den Pupillen, die der Spiegel sich im
Lagerfeuer holt.
Jahme flüstert immer wieder die Worte "Bewegung" und
"fließen lassen" in die Nacht.
Als ich versuche, mir die Worte bewußt zu machen, kann ich meine
Empfindungen nicht mehr steuern, und mein Blick hebt sich aus dem
Spiegel zurück.
Die blinkenden Sterne entfernen sich von mir.
"Such dir ein Wort, Chris!" sagte Jahme, "fließen, fließen
lassen ist ein guter Ausdruck!"
Ich muß mich anstrengen, um mich wieder in dem Spiegel zu fangen.
"Konzentriere dich auf das Feuer in deiner Mitte. Vergiß deine
Gedanken, vergiß deinen Körper, laß die Kraft der Mutter Erde durch
dich strömen!" flüsterte Jahme.
Ich richte meinen Blick auf die schwarze Mitte, hebe ihn wieder hinter
die Augen und verschmelze mit dem auf mich gerichteten Pupillenpaar.
"Fließen! Fließen! Fließen!" tönt Jahmes Stimme weit
entfernt.
Immer mehr ziehen mich die flackernden Sterne in ihren Bann.
Ich verschmelze mit der Umgebung, und wachse gleichzeitig aus ihr
heraus.
Die meterweit entfernten Felsen wirken auf mich, wie die dünne
Schutzschicht einer Seifenblase.
Mein Körper löst sich auf, und ich gehe in eine andere Welt.
Mein Geist verwächst mit den Bäumen, fließt mit dem Wind, haucht mit
der Luft, verwandelt sich in Flammen und wird weit, wie das All.
Der Blick auf den Kosmos trägt mich aus der reellen Welt heraus.
Einige Zeit verharre ich, mit weit geöffneten Augen und aufgerissenem
Mund, staunend auf das Abenteuer, was der Himmel mir widerspiegelt.
Dann kehre ich langsam zurück.
Das sternklare Dunkelblau über mir erscheint mir, wie die Öffnung zu
einem Zuschauerraum, und ich sitze in der aufgebauten Kulisse eines Märchenfilms.
Noch immer tönte Jahmes " fließen " leise durch die Nacht,
als Christian seinen Blick wieder senkte, und auf den " Boden der
Tatsachen " zurückkehrte.
Zuerst mußte er sich kräftig schütteln, die Glieder strecken, und den
Nacken straff ziehen.
Nur langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an die Finsternis des
Waldes, die nur durch das Lagerfeuer erhellt wurde.
Jahme lächelte ihn an: " Und, was empfunden?"
Chris schüttelte sich noch einmal zur Lockerung und nickte ihr
strahlend zu.
"Du hast Recht, Jahme; - Drogen werfen einen nicht so aus der Bahn,
wie deine Experimente!"
Sie lachte kurz geschmeichelt auf.
"Wieviel heller der Kosmos bei Nacht ist, wenn man dann den Blick
wieder auf die dunkle Erde wirft, nicht wahr?!"
Chris nickte ihr erneut zu. Dann versuchte er, Jahme zu erklären, was
er bei sich bemerkt hatte.
Sie hörte ihm eine Weile geduldig zu.
Wild gestikulierend versuchte er, ihr die Erlebnisse zu schildern.
Jahme unterbrach ihn nach einiger Zeit:" Laß mal gut sein, Chris.
Man kann solche Gefühle nicht gut in Worte fassen. Das unterscheidet
ein Selbst - Abenteuer von den anderen Unternehmungen auf dieser Welt so
drastisch. Man kann vieles erklären, oder in Worte fassen, aber frage
einen Künstler nach seinen Empfindungen, während er kreiert!"
Sie lachte kurz auf.
"Er wird dir kaum eine konkrete Antwort geben können. Empfinden
gehört zum Glück nur dir allein! Und so kannst auch nur du selbst
wissen, was für dich wichtig ist, empfunden und ausgelebt zu werden."