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Wirkstoffe |
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Aberglaube und Mystik |
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Frühjahr
Apfelblüte, Arnikawurzel, Birkenblätter (auch Saft bis zum Sommer),
Brombeerblätter, Hagebuttenblätter, Huflattich, Kalmuswurzel, Odermennig,
Pappelblätter, Veilchen
April
Angelika, Sauerampfer
Mai
Baldrianwurzel, Erdbeerblätter, Faulbaumrinde, Löffelkraut, Rosmarin,
Salbei, Schlüsselblume, Wegerich
Juni
Arnika, Hagebutte, Huflattich, Kamille, Lindenblätter und – Rinde,
Minze, Schafgarbe, Thymian, Zinnkraut
Sommermonate
Akelei, Basilikum, Beifuß, Benediktenkraut, Bibernelle, Brennessel
(für Spinat die frühe Brennessel verwenden), Dill, Ehrenpreis, Eisenkraut,
Farn, Ginster, Heublumen, Himbeerblätter und Beeren, Hirtentäschel, Holunderblätter
und Beeren, kerbel, Knöterich, Petersilie, Raute, Ringelblume, Taubnessel,
Wegwarte
Juli
Augentrost, Eberesche, Heidelbeerblätter und Beeren, Johannisbeerblätter
und Beeren, Johanniskraut, Steinklee, Tausendgüldenkraut
August
Bockshornklee, Leinsamen, Majoran, Preiselbeeren, Wermut
Herbstmonate
Akelei, Bertramswurz, Eisenkrautwurzel, Fenchel, Fichte, Holunder,
Klette, Lärche, Mistel, Rettich, Rhabarber, Wacholder, Walnuß
September
Anis, Baldrian, Kreuzdorn, Lavendel, Malve, Melisse, Wurmfarn
Oktober
Eberesche, Liebstöckel, Preiselbeere
Aberglaube oder
Mystik
Baldrian – das Härtemittel
Dioscurides empfahl, das „Katzenkraut“ in den Bienenstock zu legen,
damit die Bienen darin gehalten und neue hinzugezogen würden.
Im Mittelalter kaute ein Scharfrichter vor der Hinrichtung die Wurzel
des Baldrians, weil sie das Herz hart machen soll.
In Bayern sollte die Wurzel nur an den drei Sonntagen im Frauen – Dreißiger
vor Sonnenaufgang gegraben werden, und im Wendland nur am Tag vor
Johannis.
Beifuß wird zu Gold
Plinius – ein großer Gelehrter des Altertums (oder Spaßmacher?)
behauptete, dass man unter der Wurzel des Beifuß am Johannistag Kohlen
finden könnte, die zu Gold würden.
Birnbaum gegen Tod
Im bayrischen Heidentum war der Birnbaum ein heiliger Baum. Vor
Weihnachten wurde ein Brot mit Birnenstücken gebacken. Wenn der
Brotteig nicht gut wurde, hieß es, daß die Bäuerin im kommenden Jahr
sterben würde.
Bei den Wenden hieß es, daß es den Tod für ein Jahr aus dem Haus
halten würde, wenn man Brühe aus Birnensaft über die Hausschwelle gießen
würde.
Dill als Zauberschutz
Dill, wie auch Fenchel und Kümmel wurden früher in Deutschland
genutzt, um Heim und Hof vor Zauber zu schützen. Dillsamen sollte den Kühen
fettere Milch bringen.
Donnerwurz der kleine Freund
Die Hauswurz wurde in deutschen Bauernhäusern als Schutzpflanze für
Haus und Hof angesehen. In der Steiermark schützte die Pflanze sogar
vor Blitzeinschlägen.
Dosten gegen wilde Tiere
Man trieb den Teufel aus Hexen aus, indem man sie mit Dosten beräucherte.
Dioskurides empfahl Blätter und Blüten mit Wein zu trinken, um dem Biß
wilder Tiere vorzubeugen.
Eisenkraut für den Segen
Botanisches Exkursionsbuch, Wien 1883, Lorinser: “Es muss an einem
Dienstag an dem Ziu geheiligten Tag gebrochen werden.“ Es nannte sich
deshalb auch Dinskraut. Wer Eisenkraut bei sich trägt, soll niemals müde
werden, sich nicht verirren können und vor Unglück, Krieg und
Verwundung geschützt sein. Man soll es vor Sonnenaufgang mit Gold
ausgraben. Die Hexen nahmen es als Beigabe für ihre Hexensalben und es
soll Eifersucht unter Eheleuten mindern. In Siebenbürgen sagte man,
Eisenkraut könne jedes verschlossene Schloss öffnen.
Erbsen als Tarnkappe
Die Schwaben waren überzeugt, dass man sich mit Erbsen unsichtbar
machen könne. Hierfür musste man einen Totenschädel mit Erbsen füllen,
ihn nach einer Anleitung begraben und später die Erbsen wieder
herausholen. Wer dann eine dieser Erbsen in den Mund nähme, würde für
andere unsichtbar.
Die weise Haselnuss
In vorchristlicher Zeit stand die
Haselnuss in
Beziehung zum Totenkult. In germanischen Gräbern fand man Haselnüsse.
In Rom wurde sie als Fruchtbarkeitssymbol an Frischvermählte
verschenkt. Ein Haselzweig am Tag Maria Heimsuchung geschnitten soll vor
Blitz schützen. Ein in der Walpurgisnacht geschnittener Haselzweig soll
vor Dornen und Splittern schützen. Wenn ein Haselstrauch eine Mistel
trug, soll ein Schutzbringender Alraun in ihr wohnen und unter der
Wurzel ein goldgekrönter Haselwurm sitzen. Wer diesen Haselwurm besaß,
dem konnten Geister und Kobolde nichts anhaben, er galt als unverwundbar
und konnte sich unsichtbar machen.
In Polen erzählt man sich, dass der Haselstrauch um Mitternacht am
Heiligen Abend sekundenlang erblühe. Seine Blüten vermitteln Liebesglück.
Die Wünschelrute aus Haselgerte wurde am Berchten - oder Johannestage
geschnitten. Man sagte beim Schneiden:
Ich schneide dich, liebe Rute,
dass du mir sollst sagen,
was ich dich will fragen,
und dich so lange mit rühren,
bis du die Wahrheit tust spüren.
Kinder sollte man mit der Rute nicht schlagen, weil sie sonst buckelig würden.
Holunder zu Flieder
In Rumänien vergräbt man die Knochen des geweihten Osterferkels unter
einem Holunderstrauch, damit aus ihm ein Flieder wird.
Johanniskraut
Es heißt, dass man ein Gewitter vertreiben kann, wenn man Johanniskraut
auf eine heiße Herdplatte wirft.
In der Havelgegend betete man dazu:
Ist denn keine alte Fraue
Die kann pflücken Hartenaue,
dass sich das Gewitter staue.
In Hexenprozessen wurde es angewandt, um die Wahrheit aus den
Angeklagten herauszulocken. In Tirol legt man Johanniskraut in die
Schuhe damit man nicht müde wird.
Knoblauch hält Hexen fern
Die Römer vertrieben mit Knoblauch böse Hausgeister. Knoblauch gilt
allgemein als Zauberverscheucher, - griechische Schiffer trugen ihn an
der Mütze und Slawen um den Hals.
Die Esten banden ihren Kindern bei der Taufe unter anderem auch
Knoblauch in die Windel. In Österreich beschützte er vor allem die
Landwirte. Totengräber kauten vor allem in Epidemiezeiten Knoblauch
gegen den gräßlichen Totengeruch und Übelkeit. Mit Knoblauch und Kürbisstengeln
kochte man das Waschwasser, mit denen Krankenbetten und Totentücher
gereinigt wurden. Schwangere trugen ein Säckchen mit Knoblauch und
Petersilie auf dem Bauch, damit dem Kind kein Unglück zustieß.
Knoblauch wurde genutzt, um Hexen fern zu halten. Knoblauch soll schon
2000 v. Chr. bei den Römern genutzt worden sein.
Labkraut - das Kinder - Zauberkraut
Das duftende, weiche Kraut hat nach der mittelalterlichen Sage das Stroh
geliefert, auf welches die Muttergottes das Jesukindlein bettete. Daher
auch die Namen Liebfrauenstroh, Unserer Frauen Bettstroh,
Muttergottesbettstroh oder Ladies bedstraw.
Es wurde spekuliert, die heilige Jungfrau habe deshalb das Christkind
auf Labkraut gebettet, weil nur dieses vom Esel nicht berührt wurde.
Schon auf dem Concile, das am 1. März 743 unter dem Vorsitz des
heiligen Bonifacius abgehalten wurde, wird von dem Strohbündel
gesprochen, welches die Leute an ihr Bett hingen, oder in einem Leinensäckchen
am Körper trugen, um gegen giftige Tiere und andere böse Einflüsse
geschützt zu sein.
Die Nürnberger Landsleute hingen ein Büschel Liebfrauenstroh über das
Bett von fiebernden Patienten, und sprachen vor dem Schlafengehen:
Heil sei dir du heilig Kraut!
Hilf uns zum gesunden,
auf dem Oelberg wurdest du
allererst gefunden.
Du bist gut für manches Weh,
heilest manche Wunden
bei der Jungfrau heil'gem Strauss,
lasse uns gesunden!
Verbreitet war auch der Brauch, Marien - Bettstroh den Säuglingen in
die Wiege zu legen, damit sie und ihre Mütter vor Zauberei gesichert
waren.
Am Feste der Marien - Kräuterweihe fehlte Labkraut früher in keiner
katholischen Kirche.
Die Hoffnungslilie
Bei den Römern galt die Lilie als Zeichen der Hoffnung. Im Orient steht
sei für Reinheit und Unschuld, aber auch für Trauer und Tod. Einer
alten Sage zufolge sprießt die Lilie aus Gräbern von Liebenden und
unschuldig hingerichteten, wächst sie auf dem Grab eines Ermordeten,
ist die Rache nicht mehr fern, auf dem Grab eines Sünders verheißt sie
Vergebung.
Löwenmaul für die Schönheit
Plinius riet dazu Löwenmaul bei sich zu tragen, da er schön mache und
Böses abwende. Wem Geister erscheinen, der soll mit Löwenmaul (Dorant)
und Dosten um sich schlagen und sie so vertreiben.
Wacholder bringt Diebesgut zurück
In Westfalen betrieb man folgendes Ritual, um einen Dieb zu zwingen, das
Diebesgut wiederzugeben: man geht vor Sonnenaufgang zu einem
Wacholderstrauch, biege ihn mit der linken Hand gegen Osten und spreche:
Wacholderbusch ich trau dich
Bucken und drucken,
bis der Dieb sein gestohlenes Gut
wird wieder herausrucken.
Der niedergedrückte Busch muss mit einem Stein beschwert werden, der
wieder entfernt werden muss, wenn das Diebesgut zurück gegeben wird.
Der Trank aus den Beeren machte in Tirol angeblich hellsichtig.
Nachtschatten
Besondere Bedeutung erhalten die Nachtschattengewächse in den Hexensagen.
Interessant schienen hier vor allem Alraune, Bilsenkraut, Stechapfel und
Tollkirsche zu sein.
Am bekanntesten ist die sogenannte "Hexensalbe",
die ihr Opfer betäubte und Halluzinationen hervorrief; - die weisen Frauen
selbst benutzten sie aber auch für eigene "Seelenreisen" u. ä.
Der Pole Stanislaw Przybyszewski schrieb im Jahre 1897 über die Entstehung des
"Hexensabbats" im Mittelalter: "... die Juden und Araber
pularisierten ihre Zauberkünste, lehrten die Bereitung von Salben und der
Filtren, und die Zigeuner säten durch Europa die giftigen Solanaceen (Nachtschattengewächse), woran sich das Volk berauschte...."
Auch in Indien erscheint der Stechapfel als Sinnbild des Shivakults, und seine
weißen Blüten werden mit der Erkenntnis gleichgesetzt.
Die botanische Familie der Nachtschattengewächse umfasst neben Nahrungspflanzen
(Kartoffeln, Tomaten, Paprika,
Aubergine) und dem Genussmittel Tabak eine ganze
Reihe von Rauschdrogen.
Sie wurden, und werden bis heute weltweit genutzt:
Afrikanische Einwohner rauchen die Blätter von Datura fastuosa. In Peru kocht
man aus den Blättern von Datura sanguinea den Tonga genannten Rauschtrank. Die
australischen Eingeborenen kauen Pituri, die Blätter einer Duboisia - Art (Duboisia
Hopwoodii). Die Indianer in Mexiko benutzen Datura praecox und quercifolia,
nordamerikanische Indianer Datura meteloides. In Indien und im Iran kennt man
Datura metel und Hyoscamus muticus. In Litauen hat man Scopolia carnicola -
Wurzeln als "Liebeszauber" benutzt. In Spanien mischt man die Samen
des Stechapfels aus gleichem Grund in den Likör.
Die wichtigsten Gattungen der Nachtschattengewächse, die als Rauschdrogen
verwendet werden, sind folgende:
Stechapfel = Datura
Nachtschatten = Solanum
Tollkirsche = Atropa
Bilsenkraut = Hyoscamus (auch: Hühnertod)
Tollkraut = Scopolia
Alraun = Mandragora
Duboisia gedeiht nicht in Mitteleuropa und hat infolgedessen auch keinen
deutschen Namen.
Diese Drogen lassen sich in eine Gruppe zusammenfassen, weil ihre wichtigsten
Alkaloide identisch sind; z. B. das Atropin.
Atropin hemmt das an bestimmten Nervenenden freigesetzte Azetylcholin, - einen
Neurotransmitter -, indem es die chemischen Positionen (Rezeptoren) blockiert,
auf die der Überträgerstoff von Nervenimpulsen einwirkt. Diese Wirkung erfaßt
vor allem das parasympathische Nervensystem, welches als Gegenspieler des
Sympathikus wichtige Lebensvorgänge regelt: Verdauung, Speichelsekretion,
Herzschlag, Pupillenkontraktionen. Die Körperbewegungen werden durch Atropin
nicht gehemmt. Ins Auge geträufelt erweitert Tollkirschenextrakt die Pupille
und macht (auf Kosten der Sehschärfe) schöne tiefe Augen; - daher der Name Belladonna, - aus dem italienischen für "schöne Frau".
Atropin entfaltet in höheren Dosen (1 bis 2 mg subkutan oder intravenös) eine
ausgeprägte Kreislaufwirkung. Da die parasympathisch - bremsenden Einflüsse
auf das Herz wegfallen, beginnt es sehr schnell zu schlagen (ca. 150 mal pro
Minute). Weiterhin wird die Speichelsekretion im Mund gehemmt, Spannungszustände
im Magen - Darm - Bereich und in der Gallenblase klingen ab.